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„Wenn du nichts bezahlst, bist du das Produkt.“ Die Tech-Milliardäre verdienen ihr Geld mit scheinbar kostenlosen Angeboten – und halten ihre eigenen Kinder oft von diesen Plattformen fern. Viele Menschen spüren längst, dass soziale Medien Gesellschaften spalten und extreme politische Bewegungen stärken. Doch erst beim genaueren Hinsehen wird sichtbar, wie stark Hass, Lügen und Extremismus gefördert werden.

Algorithmen entscheiden auf YouTube, TikTok, Instagram, Facebook und X, welche Inhalte wir sehen. Ihr Ziel ist maximale Bildschirmzeit – denn damit verdienen die Plattformen Geld. Dafür zeigen sie unterschiedlichen Nutzergruppen unterschiedliche Inhalte, erzeugen isolierte ‚Blasen‘ mit einer völlig unterschiedlichen Wahrnehmung der Wirklichkeit und empfehlen immer extremere Beiträge – und zwar uns allen.

Es ist wissenschafltich erwiesen, dass keine Emotion auf den Plattformen mehr Reichweite erzeugt als Feindseligkeit. Alles was sich gegen ‚das Establishment‘ richtet, hat gute Chancen viral zu gehen. Nur dass bei uns ‚das Establishment‘ die Demokratie ist. Gegen die Demokratie gerichtete Beiträge bekommen also per Definition der Programmierung viel mehr Sichtbarkeit als konstruktive Beiträge. Nicht die AfD ist gut auf TikTok, TikTok ist gut zur AfD.

Demokraten egal welchter Partei haben damit im Grunde nur zwei Optionen: (1) selbst empören, indem sie andere Demokraten verächtlich machen, oder (2) stumm gestellt zu werden von den Algorithmen der großen Plattformen. Wer versucht die Reichweite für demokratische Inhalte zu erhöhen, wird also selbst immer mehr Verachtung gegenüber anderen Demokraten posten – denn das belohnt Social Media.

Für X wurde kürzlich nachgewiesen, dass die Nutzung zu einem rechteren Weltbild führt.Rechtsextreme Inhalte werden besonders oft angeboten. Aber je nach Profil des Nutzers werden andere Formen von Extremismus und Empörung verstärkt. In Wahlkämpfen profitieren Parteien an beiden Rändern des politischen Spektrums, und das nicht nur in Deutschland. Lügen und Hetze verbreiten sich viel schneller als konstruktive Wahrheit.  

Die KI schürt moralische Empörung und verwandelt Andersdenkende in vermeintliche Feinde. Dabei funktioniert die Filterblase anders, als wir sie uns oft vorstellen. Wir haben das Gefühl, dass wir sehr diverse Infos bekommen, weil wir zum einen Infos aus so vielen unterschiedlichen Bereichen sehen (Kochen, Freizeit, Comedy, Politik, Mode, Sport,…) und zum anderen von sehr vielen verschiedenen Menschen und Bots. Aber alles, was an diesen Informationen politisch ist, wird vom Algorithmus so gefiltert, dass es das eigene Weltbild zementiert. Dabei bekommen auch scheinbar unpolitischen Infos ein Filter übergestülpt: manche sehen eher Backpacker-Urlaub und andere eher Motorboot-Touren in der Karibik, wer nach Kochrezepten sucht landet unter Umständen sehr schnell bei TradWives, …

Politische Themen sind diejenigen, die empören. Und kein Gefühl hält die Menschen besser am Bildschirm als moralische Empörung.

Faktenchecks sind unverzichtbar, schützen aber allein nicht. Denn auch Ausblenden von wichtigen Teilen der Realität führt zu einem stark verzerrten Bild, das Verachtung nährt. Und das passiert in allen Nutzergruppen. Eine ganz typische Reaktion ist „Aber das glauben doch alle“ – auch wenn es überhaupt nicht den Umfragen in der Breite der Bevölkerung entspricht, dass alle das glauben.

Hinzu kommt: Menschen erkennen Falschnachrichten in Social Media schlechter. Gruppendruck und Emotionen schwächen das rationale Denken. Die Profitlogik der Plattformen schafft ein manipulatives Umfeld, das durch immer leistungsfähigere KI weiter verschärft wird. Und: fast jeder erkennt Desinformation, auf die ‚die anderen‘ reinfallen. Aber in allen politischen Lagern sind die Menschen ähnlich leichtgläubig gegenüber den Desinformationen, die dem eigenen Weltbild entsprechen. Das verstärkt das falsche Gefühl die eigene Gruppe sei moralisch überlegen – ein Gefühl, das den demokratischen Diskurs vergiftet. Zudem nutzen mächtige Feinde der Demokratie – etwa Putins Propaganda-Apparat und Trump mit seiner MAGA-Bewegung – die Plattformen gezielt für Desinformation, Hass und zur Destabilisierung demokratischer Gesellschaften.

Und was ist die Lösung?

DIE eine Lösung, die alleine alles wendet, gibt es leider nicht. Wir haben keinen goldenen Hebel, den man nur umlegen müsste, und alles wäre gut. Unserer Erfahung nach entbrennt bei der Frage nach der Lösung viel schneller Streit als bei der Beschreibung der Lage, selbst in der hier dargelegten Klarheit. Dabei ist dieser Streit unnötig. Denn die verschiedenen Beträge ergänzen sich sehr gut. Oft ist die Begründung dafür, dass es unbedingt diese eine Lösung sein müsse, auch weniger der Glaube, dass das ein sicherer Weg aus dem Dilemma ist – sondern vielmehr der Eindruck, dass alle anderen Lösungsansätze ja nicht ausreichen. Ja, keiner reicht alleine. Aber gemeinsam sind wir stark. Und eins haben sie auch gemeinsam: damit wir sie effektiv umsetzen können, ist die Voraussetzung, dass wir die Lage richtig einschätzen. Das bedeutet, die breite Kenntnis der oben genannten Fakten ist Schritt eins, der ganz viel anderes ermöglicht.

Gleichzeitig ist die Verbreitung des Wissens schon die Hälfte der Lösung. Ganz vieles wird sich von selbst ändern, wenn der Irrglaube ‚die anderen Parteien müssen endlich auch so gut auf Social Media werden wie die AfD‘ der Erkenntnis weicht: ‚Demokratie kann nicht gewinnen auf Social Media.‘ die AfD hat dort genau deshalb so viel Erfolg, weil sie Verachtung gegen die demokratischen Institutionen verbreitet. Und das WOLLEN wir nicht nachahmen.