„Wenn du nichts bezahlst, bist du das Produkt.“ Die Tech-Milliardäre verdienen ihr Geld mit scheinbar kostenlosen Angeboten – und halten ihre eigenen Kinder oft von diesen Plattformen fern. Viele Menschen spüren längst, dass soziale Medien Gesellschaften spalten und extreme politische Bewegungen stärken. Erst beim genaueren Hinsehen wird sichtbar, wie stark Hass, Lügen und Extremismus durch die Systeme gefördert werden.
Algorithmen entscheiden auf YouTube, TikTok, Instagram, Facebook und X, welche Inhalte wir sehen. Ihr Ziel ist maximale Bildschirmzeit – denn damit verdienen die Plattformen Geld. Dafür zeigt sie unterschiedlichen Nutzergruppen unterschiedliche Inhalte, erzeugt isolierte Blasen und empfiehlt immer extremere Beiträge. Rechtsextreme Inhalte dominieren und werden vom Algorithmus zu Beginn fast allen Nutzern angeboten. Für X wurde kürzlich nachgewiesen, dass die Nutzung zu einem rechteren Weltbild führt. Nicht die AfD ist gut auf TikTok, TikTok ist gut zur AfD.
Aber je nach Profil des Nutzers werden andere Formen von Extremismus und Empörung verstärkt. In Wahlkämpfen profitieren nicht nur in Deutschland Parteien an den Rändern des politischen Spektrums. Lügen und Hetze verbreiten sich viel schneller als konstruktive Wahrheit.
Die KI schürt moralische Empörung und verwandelt Andersdenkende in vermeintliche Feinde. Denn die Filterblase funktioniert anders, als wir sie uns oft vorstellen. Wir haben das Gefühl, dass wir sehr diverse Infos bekommen, weil wir zum einen Infos aus so vielen unterschiedlichen Bereichen sehen (Kochen, Freizeit, Comedy, Politik, Mode, Sport,…) und zum anderen von sehr vielen verschiedenen Menschen und Bots. Aber alles, was an diesen Informationen politisch ist, wird vom Algorithmus so gefiltert, dass es das eigene Weltbild zementiert. Denn politische Themen sind diejenigen, die empören. Und kein Gefühl hält die Menschen besser am Bildschirm als moralische Empörung. Eine ganz typische Reaktion ist „Aber das glauben doch alle“ – auch wenn es überhaupt nicht den Umfragen in der Breite der Bevölkerung entspricht, dass alle das glauben. Dabei wird auch scheinbar unpolitischen Infos ein Filter nach politischer Präferenz übergestülpt: manche sehen eher Backpacker-Urlaub und andere eher Motorboot-Touren in der Karibik, wer nach Kochrezepten sucht landet unter Umständen sehr schnell bei TradWives,…
Faktenchecks sind unverzichtbar, schützen aber allein nicht. Denn auch Ausblenden von wichtigen Teilen der Realität führt zu einem stark verzerrten Bild, das Verachtung gegenüber anderen begünstigt. Und das passiert in allen Nutzergruppen. Hinzu kommt: Menschen erkennen Falschnachrichten in sozialen Medien schlechter. Gruppendruck und emotionale Aktivierung schwächen das rationale Denken. Die Profitlogik der Plattformen schafft ein manipulatives Umfeld, das durch immer leistungsfähigere KI weiter verschärft wird. Und: fast jeder erkennt Desinformation, auf die ‚die anderen‘ reinfallen. Aber in allen politischen Lagern glauben Menschen der Desinformation, die dem eigenen Weltbild entspricht. Das verstärkt das falsche Gefühl der Überlegenheit der eigenen Gruppe, das den demokratischen Diskurs vergiftet. Zudem nutzen mächtige Feinde der Demokratie – etwa Putins Propaganda-Apparat und Trump mit seiner MAGA-Bewegung – die Plattformen gezielt für Desinformation, Hass und zur Destabilisierung demokratischer Gesellschaften, einschließlich der Unterstützung extremistischer Parteien.
Und wie können wir zu einer Lösung beitragen? Was bedeutet das für unseren Alltag und politische Weichenstelungen? Wenn ihr neugierig geworden seid, kommt doch gerne zu unserem Workshop in Hamburg.
